Raunächte

Die Raunächte bergen viel Mystisches. Draußen ist es dunkel. Die Menschen bleiben lieber in den Häusern. Alle rücken etwas näher zusammen. Die Zeit zwischen den Jahren ist geprägt von einer besonderen Zeitqualität. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, diese Tage in einer erhöhten Bewusstheit zu verbringen.

Wortbedeutung

Das Wort Rauhnächte ist zugleich schaurig und auch schön. Es erinnert an das rauhe Klima in dieser Zeit, den Raureif. Es stammt jedoch vom althochdeutschen Wort "ruh" = rau, grob, haarig, ungezähmt ab. Es erinnert an die wilden Dämonen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben.

Der Name könnte aber auch von Rauch - räuchern kommen, denn vielerlei Kräuter und Harze wurden in den Tagen zwischen den Jahren großzügig verräuchert.

Differenz in Kalender

Die Phasen des Mondes, insbesondere die erste Sichtbarkeit des Mondes nach Neumond, sind sehr einfach zu beobachten. Die ersten Kalender definierten deshalb ein Mondjahr, bestehend aus 12 „Monden“. Ein Monat dauert 29,5 Tage, deshalb wurde zwischen 29 und 30 Tagen gewechselt. Ein Mondjahr war also 354 Tage.

Mit dem Julianischen Kalender kam die Berechnung als Sonnenjahr mit 365 Tagen. Daraus ergibt sich eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten.

Deshalb sind die Raunächte „zwischen den Jahren“

Das Rad der Zeit steht still

Zeitpunkt

Über den genauen Zeitpunkt der Raunächte scheiden sich die Geister. 21.12. bis 02.01. (ab Wintersonnenwende 12 Nächte)

21.12. – 06.01. (ab Wintersonnenwende 12 Nächte, Sonn- und Feiertage auslassen)

24.12. – 06.01. (ab Weihnachten 12 Nächte) Ab 21.12. – 05.01. (12 Nächte, deren Länge unterschiedlich ist und manchmal auch 48 Stunden dauert, eben bis 05.01.)

4 große Raunächte

21./22.12. Wintersonnenwende, Julfest, längste Nacht d. Jahres, Thomasnacht

24.12./25.12. Weihnachtsabend

31.12./01.01. Silvesternacht

05.01./06.01. Epiphaniasnacht

 

Mystisches aus Urzeiten

Viele Rituale aus der Zeit unserer Urahnen haben noch heute Bedeutung, auch wenn in unserer Zeit so manches als Aberglaube abgetan wird oder gar nicht mehr weitergegeben wird.

Die wilde Jagd



Wenn Winterstürme um die Häuser brausen und Nebelschwaden ihre kalten Tücher über die Täler spannen, jagt nach altem Volksglauben der germanische Kriegsgott Wotan sein Geisterheer durchs Land.

Begleitet wird er von seiner Göttergattin Freya (besser bekannt als Fr. Holle). Sie verbreiten neben Angst und Schrecken auch Eis und Schnee.

Der Geisterzug zieht mit einem fürchterlichen Gerassel unter Schreien, Johlen, Heulen, Jammern, Ächzen und Stöhnen durch die Lüfte. Der Zug besteht aus einer Horde von Dämonen, Geistern und Männer, Frauen und Kinder, die vorzeitig einen gewaltsamen oder unglücklichen Tod gefunden haben.

Wer das Heer provoziert oder ihm spottet, wird unweigerlich Schaden davontragen, und wer absichtlich aus dem Fenster sieht, um das Heer zu betrachten, dem schwillt etwa der Kopf an, so dass er ihn nicht zurückziehen kann.

Odin (oder Wotan) ist der Toten- und Kriegsgott, und der Gott der Ekstase. Dass er die Wilde Jagd anführt gibt Hinweise darauf, dass Odin auch der Gott des Sturmes ist. (althochdeutscher Name Wuotan ist von Wut abgeleitet)

In der Zeit der Raunächte darf nicht gewaschen werden, weil die Geister wütend werden, wenn sie sich darin verfangen. Die großen, weißen Leintücher könnten als Leichentuch verwendet werden.

Dieser Brauch wurde in der Vor-Waschmaschinen-Zeit streng eingehalten. Das Waschen in dieser kalten, unwirtlichen Zeit war sowieso kein Vergnügen.
Freya sieht in die Häuser, um zu kontrollieren, ob alles ordentlich ist. Ein aufgeräumtes Haus war in diesem Zeitraum besonders angesagt, denn Unordnung zieht schlechte Energien an und verursacht Krankheit.

Und obwohl Fr. Holle eigentlich keine faulen Leute mag (wie wir aus dem Märchen wissen) ist es ihr wichtig, dass in den Raunächten die Arbeit ruht und keine Wäsche gewaschen wird. Wir sollen uns in dieser Zeit ausruhen und Kraft fürs neue Jahr schöpfen.



Die Welt der Orakel

Die Raunächte sind Losnächte. Das Wort „Los“ steht in Zusammenhang mit „losen“, „vorhersagen“, was deutlich macht, dass die Raunächte besonders dazu geeignet sind, Prognosen für das kommende Jahr zu erstellen.
Das Tor zur Anderswelt ist in dieser Zeit offen.
Aus diesem Grund ist diese hochschwingende Zeit geeignet für den Blick in die Zukunft, einer Neuorientierung nach vorne. Lass die Alltagsroutine los und begebe dich in die Energie des Neuanfangs.
Spielerisch findet dies seinen Ausdruck im Bleigießen.
Es ist die ideale Zeit, um Pläne zu schmieden. Wir bekommen einen schnelleren Zugang zu höheren Ebenen und haben damit Unterstützung für unsere Projekte fürs nächste Jahr.
Der Verlauf eines Tages entspricht dem Geschehen des ihm entsprechenden Monates im neuen Jahr, egal ob Wettervorhersage, Heiratsprognose oder ganz allgemein. Dem liegt der hermetische Grundsatz zugrunde:
wie unten, so oben
wie oben, so unten
wie innen, so außen
wie außen, so innen
Der erste Tag der Zwölften entspricht dem ersten Monat des Jahres, also Januar. Der zweite Tag entspricht dem Februar, der dritte Tag dem März und so weiter.
Unsere Vorfahren wussten, wie wichtig das Geschehen in diesen 12 Tagen der Raunächte ist. Sie haben entsprechende Bräuche entwickelt, damit die Menschen zur Ruhe kommen und mehr bei sich sind. Denn wer in sich ruht, kann dem neuen Jahr mit positiven Gedanken entgegengehen und so das Geschehen positiv beeinflussen.
Man sollte also in diesen Tagen besonders achtsam sein, wie man sich verhält und was einem widerfährt. Bekommt man z. B. in der 2. Raunacht (tagsüber) überraschenden Besuch und hat viel Spaß, kündigt dies für den Februar einen unerwarteten Besucher an und einen fröhlichen Monatsverlauf. Streitigkeiten und alles was man im nächsten Jahr nicht haben möchte, sollte man also tunlichst vermeiden.

Ärger in diesen Tagen oder andere negative Begebenheiten kann man am Tag der Kinder, dem 28. Dezember oder am 05. Januar auflösen. Dazu schließt man die Augen und lässt die ganze Situation noch einmal vor dem geistigen Auge ablaufen. Dann hüllt man sie in weißes Licht, bis alles in hellem Licht erstrahlt. Auf diese Weise schickt man positive Energie hinein, bis sich das Negative aufgelöst hat.
Drum wurden diese Rauhnächte achtsam begangen, da sie das ganze kommende Jahr beeinflussten. Jeder war selbst dafür verantwortlich, wie das kommende Jahr werden würde.
Auch die Brautschau wird in diesen Tagen besonders begünstigt. So kann ein Mädchen, das in der Heiligen Nacht eine Zwiebel schneidet und Salz darauf streut, am nächsten Morgen das Gesicht des Zukünftigen darin erkennen.
Weit verbreitet waren Wetterwahrsagungsbräuche, indem man sich an den Lostagen "einen Kalender machte". Das Wetter jener Zeit ist für das kommende Jahr maßgeblich, denn jeder der zwölf Tage steht für einen Monat des Folgejahres. Das Wetter des ersten Tages entspricht also dem Monat Januar, das Wetter des zweiten Tages dem Februar usw.
Niederschlag an einem der Lostage bedeutet, dass der entsprechende Monat ebenfalls feucht werden wird. Sonnenschein am Vormittag eines Lostages verweist auf Trockenheit in der ersten Hälfte des Monats.
Interessant ist die Variante, dass der 6. Januar darüber entscheidet, ob die Wettervorhersage der zwölf Lostage überhaupt zutreffend ist. Ist das Wetter an diesem Tag trocken, dann ist das Orakel gültig. Bei Niederschlag wird die Wettervorhersage verworfen.
Träume in den Raunächten:
Besondere Beachtung verdienen auch die Träume in diesen ersten 12 Nächten des neuen Jahres. Denn jedem Anfang liegt ein Zauber inne …
Die Träume in dieser Zeit haben einen hellsichtigen Charakter und verwirklichen sich in den jeweils entsprechenden Monaten des zukünftigen Jahres. Also vor dem Zubettgehen Stift und Bleistift parat legen, damit der Traum am nächsten Morgen nicht in Vergessenheit gerät.
Es lohnt sich, in dieser Zeit ein Traumtagebuch zu führen. Wer sich an keinen Traum erinnern kann, der schreibt auf, wie er sich beim Aufwachen fühlt (bewusstes Hinhorchen)

Anmerkung

Geh achtsam und demutsvoll mit den Raunächten um. Sie bergen ein mächtiges energetisches Potenzial in sich, welches dich auf dem Weg in eine neue Zeit intensiv unterstützen kann.

Ich wünsche dir von Herzen eine gute, besinnliche Zeit in diesen kraftvollen Nächten.